Douglas Preston/ Lincoln Child: Cult

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Bevor „Fever Dream“ erscheint, der erstmals letzte deutsche Pendergast.

Bill Smithback, ein guter Freund von Pendergast und Journalist, der auch aus anderen Werken der beiden Autoren bekannt ist, wird getötet. Der Angreifer kann als Nachbar identifiziert werden, zahlreiche Zeugen und eine Kamera haben alles gesehen- nur hat dieser Nachbar dummerweise vor wenigen Wochen Selbstmord begangen.

Zombies? Sekte? Alles ausgelutschte Themen- möchte man meinen. Doch gibt man eine Prise Pendergast hinzu, mal wieder einen Hauch Rationalismus, Logik und zu guter Letzt einen Schuss Geschichte- so wird daraus ein packender Thriller.  Ich würde ja gerne endlich schreiben, dass die beiden mich enttäuscht haben, dass sie etwas vollkommen Unsinniges zusammengebraut und versucht haben, daraus einen Bestseller zu machen- aber guten Gewissens kann ich das nicht sagen.

Wer erwartet, hier wieder eine Unmenge von Vodoo- Geschichte oder dem Glauben zu erfahren, der hat weit gefehlt. Es wird nur kurz angerissen, es wird einmal ein Geschäft besucht, aber das wars auch schon. Das ist definitiv ein Minuspunkt. Klar, niemand möchte in einem Thriller die Hintergrundgeschichte des Vodoo lesen, aber ein paar mehr Infos wären definitiv nett gewesen. So wird beim Leser eine gewisse Grundkenntnis vorausgesetzt, wenn auch nur grob. Dank unserer Zeit, in der Untote sowieso die Bestsellerlisten stürmen und man sich vor Büchern mit dunklen Gestalten (und jeder Menge Sex) sowieso nicht mehr retten kann, dürfte dieses Wissen in den meisten Fällen jedoch gegeben sein.

Was auch fehlte: Eine Fortsetzung von „Darkness“. Es wird kaum ein Wort über die Vorgänge verloren, schon gar nicht über das, was mit Pendergast am Ende des Buches geschehen ist. Hier hätte ich definitiv gerne eine Art Rückblick bekommen, einen Hinweis, dass die Ereignisse nicht vollkommen untergegangen sind. Spuren dürften definitiv geblieben sein, aber es wird nichts erwähnt. Was im Gegenzug natürlich absolut meine Neugier auf „Fever Dream“ bzw. „Fever“ erhöht. Wehe, auch da gibt es keine Anhaltspunkte!

Wie bereits in den Vorgängern so wird auch hier wieder ein Stück von Pendergasts Vergangenheit enthüllt, ein alter Bekannter aus seinem Leben taucht auf, lässt gewisse Dinge erahnen, wie immer aber auch vieles unausgesprochen. Trotzdem ist es ein netter Charakter (wenn ich Namen oder Ähnliches verrate, wisst ihr sofort, um wen es sich handelt. Er ist aber bisher noch nicht vorgekommen, soweit ich weiß.),  der erstaunlich farbenprächtig beschrieben ist.

Zum ersten Mal steht Pendergast jedoch nicht vollkommen im Vordergrund, stattdessen wird sein Freund d´Agosta mehr ausgebildet und kommt vor allem öfter zum Zug, als man es gewohnt ist. Das war eine nette Überraschung, den ich mag den Polizisten wirklich gern, und seine Unterhaltungen mit Pendergast sind eine Klasse für sich.

Obwohl „Cult“ in sich abgeschlossen ist und man es auch gut einfach so lesen kann, ohne die bisherigen Bücher zu kennen, würde ich es für Interessierte an der Pendergast Reihe nicht als Einstieg empfehlen. Dafür wird einfach zu viel verraten, teilweise nur kleine Details, aber sie würden die Freude und auch die Spannung an den Vorgängern herabsetzen.

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