Dave Eggers: Weit gegangen

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Vor einiger Zeit hatte ich „Ein herzzereißendes Werk vonumwerfender Genialität“ gelesen und dachte damals schon, dass der Autor ziemlich gut ist. Nun fand ich von ihm dieses Buch hier.

„Weit gegangen“ beruht auf einer wahren Geschichte von Achak Deng, der sich auch im Vorwort zu Wort meldet, mit seiner Stimme wird auch erzählt.

Zu Beginn des Buches wird er in Amerika überfallen. Kurz darauf beginnen die Rückblicke, denn in Gedanken erzählt er den Dieben, was ihm alles geschehen ist. Er wurde in einem kleinen Dorf im Sudan geboren, erlebte dort durch den einbrechenden Bürgerkrieg Schrecken, Gewalt, Unvorstellbares- eigentlich ist der deutsche Wortschatz, überhaupt jede Sprache der Welt, zu banal, um solche Erinnerungen in Worte zu fassen.

Seitdem ist er auf der Flucht, durchquerte mit tausenden von anderen Jungen, „Lost Boys“ genannt, die Wüste, traf verschiedene Menschen, die ihm nicht alle etwas Gutes wollen, geriet in Flüchtlingslager, verliebte sich, starb beinahe mehrere Male- und behielt doch stets den Kopf oben.

Wie bereits in der Einleitung erwähnt, war ich von seinem ersten mir bekannten Buch begeistert, drauf gestoßen bin ich durch „Gilmore Girls“. Auch hier zeigt Dave Eggers wieder, was er drauf hat. Zum Beispiel gibt es später einen Vortrag, der von einem Häuptling gehalten wird und sich über ein paar Seiten zieht. Das wirkt auf den ersten Blick abschreckend, aber Eggers verwendet hier einen genialen Kunstgriff: Achak Deng richtet seine Aufmerksamkeit hier nämlich nicht primär auf den Häuptling, sondern auf seinen Freund Achor Achor, und beschreibt, wie sein Freund mit welchen Gesten, welcher Mimik oder Körperhaltung er darauf reagiert. Statt sich also zu langweilen, beobachtet man mit Achak nun ebenfalls seinen Freund, sitzt direkt daneben, und bekommt den Vortrag trotzdem mit.

Davon abgesehen kann man tatsächlich nicht anders, als sich an dieses Buch zu erinnern. Sicher, es hat fast 800 Seiten (Hardcoverausgabe), aber das lohnt sich. Einzige Kritik: Ich hätte gerne ein paar Hintergrundinfos mehr gehabt, ein oder zwei Seiten am Ende, wo man noch ein paar Zahlen zur Orientierung vor sich hat. Teilweise war das etwas verwirrend, denn hier kommen auch das WTC und Osama bin Laden zur Sprache, allerdings an verschiedenen Stellen, so dass ich das zumindest zeitlich nicht ganz zurordnen konnte. Erst gegen Ende wird klar, in was für einem Zeitraum das spielt- eine kleine Übersichtstafel, auch mit Worterklärungen oder einem geschichtlichen Hintergrund wäre hier wirklich hilfreich gewesen.

Fazit: Ich kann nur sagen: lest es. Ganz egal, wie viel ihr über den Sudan wisst, wieviele Kriegsgeschichten ihr schon gelesen habt, diese lässt sich mit keiner anderen vergleichen.

Und wenn ihr schon dabei seid, lest auch sein anderes Buch. Ich zitiere kurz frei aus dem Vorwort: „Und hier die Zeichnung eines Tackers.“ Da kam auch tatsächlich so eine Zeichnung. 😉 Einfach herrlich.

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