J.M. Coetzee: Schande

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Mein erster Coetzee, inspiriert vom Harenberg. Da ich gerade auf ein Paket von amazon warte, dachte ich, ich lese mal weiter. Und nun folgt die Rezi 😀

Der in Kapstadt lebende Literaturprofessor David Lurie lässt sich auf eine Affäre mit einer seiner Studentinnen ein, Melanie. Als das herauskommt und es einen Skandal gibt, besucht er für eine Weile seine Tochter Lucy auf dem Land. Doch auch dort kann er seiner „Schande“, wie er es nennt, nicht entfliehen.  Es kommt zu einem Überfall auf die Farm seiner Tochter, die alles verändert, nicht nur ihr Leben- sondern auch seine Sichtweise, seine Handlungen, seine Gedanken.

Genial. Es gibt so gut wie gar keinen Kritikpunkt, den ich äußern könnte. Vielleicht war es ein Glückstreffer und dies der beste Roman, den Coetzee geschrieben hat, aber ich hoffe sehr, dass alle seine Bücher so gut sind. Es ist nicht nur der Stil, mit dem er schreibt, sondern er drückt in wenigen hunderten Seiten (hier knapp 300) eine ganze Welt aus, nein, verschiedene Welten, mitsamt ihren Unterschieden und allem, was dazu gehört. Man kann gar nicht anders, als sich über diese Unterschiede Gedanken zu machen. Damit will ich nicht sagen, dass wir grundverschieden sind, aber dieser Überfall wird z.B. ganz anders gehandhabt. Sicher, es spielt auch in einer etwas anderen Zeit, aber so lange her ist das noch nicht. Genauso gut könnte das ganze auch im hier und jetzt spielen, als würde man in genau diesem Moment im Blumenbeet der Farm sitzen und es käme zu diesem Ereignis. Entsprechend realistisch ist das Ganze auch geschrieben.

Da ich wirklich nichts finde, was ich kritisieren kann, gehe ich auf einen Punkt ein, der mir am besten gefallen hat: Die Verhandlung. Als David vor den Ausschuss tritt, der ganze Dialog, diese Ironie, der Sarkasmus, einfach ein sprachliches Meisterwerk. Vielleicht übertreibe ich, vielleicht auch nicht. Aber die Eindrücke sind noch frisch, deswegen bin ich auch so leidenschaftlich für dieses Buch.

Fazit: Ich kann wirklich nur sagen: lest es. Es ist kein Thema für jedermann, so wird der Überfall so geschildert, dass man selber nur stockt. Aber wirklich, diese 300 Seiten sind es wert, einfach, weil man es kennen muss.

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