Oliver Plaschka- Die Magier von Montparnasse

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Zauberer, Äpfel, ein Zwerg, ein Engel, eine Kellnerin, Hemingway, Wodka und natürlich die Rettung der Welt…das alles sind Komponenten in diesem wahrhaft verrückten und auch mehr als doppeldeutigem Buch.

Ravi ist ein Zauberer, ein Bühnenzauberer in Montparnasse, einem Viertel in Paris. Als eines Abends etwas schief geht, muss er richtige Magie anwenden, um sich und seine Assistentin Blanche zu befreien. Das bleibt nicht unbemerkt, und nach einem weiteren Zwischenfall, der alles Weitere bestimmt, wird Ravi mit der Société konfrontiert, eben der Gesellschaft, die von Magie weiß und sie geheim halten will. Das ist jedoch gar nicht so einfach, denn die Grenzen zwischen Magie und Wirklichkeit verschwimmen, bald schon steht viel mehr auf dem Spiel, als es auf dem ersten Blick erkenntlich ist.

Um es vorweg zu sagen: Keine einfache Kost. Seit sehr langer Zeit ist mir kein Buch mehr untergekommen, dass so viele verschiedene Aspekte, Gestalten und Gedanken in sich vereint. Der Leser hat im Prinzip keine Chance, selber zu entdecken, um was es wirklich geht. Die Charaktere, aus deren verschiedenen Sichten innerhalb von sieben Tagen alles erzählt wird, sind verschwiegen, belügen einander, halten ihre Gedanken und Erkenntnisse zurück. So wird ein Mörder überführt, der gar keiner ist. Oder doch? Wie oft stirbt diese Person? Denn die Tage wiederholen sich, es ist immer Sonntag, immer fällt eine Kastanie, immer ist eine Elster im Spiel. Doch um was geht es wirklich? Geht es um Religion, um Philosphie, handelt es sich um Fantasy, einen Krimi, ein Märchen, einen Roman? Meiner Meinung nach um eine Mischung aus allem. Und es ist sehr interessant zu sehen, wie das alles miteinander verflochten ist.

Oliver Plaschka hat mit „Die Magier von Montparnasse“ eine großartige Idee gehabt und diese auch gut umgesetzt. Es ist schwierig, etwas über die Charaktere zu erzählen, wenn erst am Ende ansatzweise klar wird, wer eigentlich welche Rolle hat. So gibt es auch keine klare Haupftigur, jeder bekommt seinen Auftritt. Das, was man jedoch erfährt, ist geschickt in Andeutungen verpackt.

Der Schreibstil ist packend, besticht gerade durch seine Einfachheit, von den Dialogen ganz zu schweigen. Wenn es hinunter in die Katakomben geht, ist man dabei, man könnte während des Lesens die Hand ausstrecken und die Feuchtigkeit der kalten Mauern berühren.

Einen Kritikpunkt habe ich allerdings: Etwas mehr Infos hätte ich gerne über das Paris von 1926 gehabt. Sicher, die ganze Geschichte dreht sich im Prinzip um das „Le Jardin“, da hätte es keinen Sinn gemacht, großartig die Gepflogenheiten der anderen Pariser um diese Zeit zu beschreiben. Aber ein paar mehr Infos, abgesehen von den beiden Karten, wären schon nett gewesen.

Fazit: Ich kann das Buch guten Gewissens empfehlen. Es ist wirklich nicht leicht zu lesen, man muss schon einiges an Konzentration mitbringen, aber so eine Verschlungenheit und Irreführung habe ich selten erlebt.

An dieser Stelle möchte ich mich auch noch einmal bei dem Klett- Cotta Verlag bedanken, dass er mir dieses Rezensionexemplar zur Verfügung gestellt hat.

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