Delphine de Vigan- No und Ich

Standard

Vielen herzlichen Dank an den Droemer- Knaur Verlag für dieses geniale Rezensionsexemplar!


Lou ist dreizehn Jahre alt, hochbegabt und hat fürchterliche Angst vor Referaten. Aus der Not heraus gibt sie an, etwas über obdachlose Frauen zu schreiben. Ihr läuft No über den Weg, die vor kurzem achtzehn wurde und seit einiger Zeit auf den Straßen Paris´ wohnt. Die beiden unterhalten sich, schließen Freundschaft miteinander. Doch es bleibt nicht bei diesem Referat, denn diese Bekanntschaft verändert alle beide.

„Mein ganzes Leben lang habe ich mich außerhalb gefühlt, wo auch immer, außerhalb des Bildes, außerhalb des Gesprächs, neben der Situation, als könnte ich als Einzige Geräusche oder Worte hören, die die anderen nicht wahrnehmen, wäre dabei aber taub für Worte, die die anderen anscheinend hören, als wäre ich außerhalb des Rahmens oder auf der anderen Seite einer riesigen unsichtbaren Glaswand.“

So beschreibt Lou sich, aber das kann auch genauso gut auf No zutreffen. Sie leben beide in verschiedenen Welten und versuchen doch, sich miteinander zu arrangieren, „zusammen zu sein“ als Freundinnen, als Ebenbürtige.
Beide Mädchen wurden hervorragend gezeichnet, mit allen Facetten. Sie sind nicht einfach gegensätzlich, sondern einzigartig. Es ist auch kein Buch, in dem Friede, Freude und Eierkuchen die Welt regieren, in dem plötzlich alles gut wird, sondern es ist real. Genauso könnte es sich in diesem Moment irgendwo auf dieser Welt abspielen. Man möchte No den Weg weisen, ihr wie Lou zeigen, wo es lang geht, welche Möglichkeiten bestehen, selbst wenn einem keine einfallen. Weil man einfach die Hoffnung nicht aufgeben möchte, dass noch alles gut wird. Vor allem aber möchte man Lou in den Arm nehmen, ihr einen Teil dieser Last von den Schultern nehmen.

Ja, ihr seht schon, dieses Buch ging mir sehr nahe. Es liegt wohl zum Teil daran, dass ich mich hier sehr gut wiedergefunden habe, dass es mir beinahe auch wie No ergangen wäre. Schließlich sind Rezensionen stets subjektiv, selten objektiv.
Aber es liegt zu einem mehr als großen Teil daran, dass dieses Buch einfach großartig ist. Es sollte verfilmt werden, in sämtliche Sprachen dieser Welt übersetzt werden, Gratisexemplare müssten verteilt werden, damit jeder dieses Buch liest. Es zeigt auf eine bewegende Art und Weise, wie die Welt ist. Man kann nicht nur mit einem guten Herzen und dem Willen dazu die Welt verändern, aber es macht definitiv einen Unterschied, ob man es versucht oder nicht. Genau das wollte die Autorin uns damit wohl sagen. Zumindest habe ich es so aufgefasst 😉

Die Geschichte von No und Lou regt zum Nachdenken hat, sie hat viele Aspekte, die noch immer in mir nachhallen und die mich tagsüber begleiten. Teilweise, weil sie Dinge in Worte kleidet, die ich auch schon oft gedacht habe, ähnlich wie hier:

„Wir sind imstande, Überschallflugzeuge und Raketen ins All zu schicken, einen Verbrecher anhand eines Haars oder eines winzigen Hautpartikels zu identifizieren, eine Tomate zu züchten, die im Kühlschrank drei Monate lang völlig faltenfrei bleibt, und Milliarden von Informationen auf einem Mikrochip zu speichern. Wir sind imstande, die Leute auf der Straße sterben zu lassen.“

Teilweise aber einfach, weil es ein großartiges Buch ist.

Deswegen mein Fazit: Unbedingt lesen! Taucht ein in diese verschmähte Welt von Paris, die es in jeder Großstadt gibt, begleitet No und Lou auf ihrer gemeinsamen Reise und lasst euch einfach mitnehmen in das, was daraus folgt. Ihr werdet nicht enttäuscht werden, wirklich nicht.

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Eine Antwort »

  1. Pingback: Delphine de Vigan- Ich hatte vergessen, dass ich verwundbar bin « Buecherrad's Blog

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