Xinran- Die namenlosen Töchter

Standard

Vielen Dank an den Droemer- Knaur Verlag für dieses Rezensionsexemplar!

Wenn in einer chinesischen Familie kein Junge geboren wird, gilt das als Unglück. Werden sogar mehrere Mädchen geboren, so zweifelt man an der Zeugungskraft der Eltern, sie werden kaum noch angesehen. Im schlimmsten Fall, besonders zu Zeiten der Geburtenkontrolle, werden die Mädchen wie Katzen ertränkt. Im besten Fall jedoch werden sie „schlecht“ behandelt oder bekommen keine Namen, sondern werden nach der Reihenfolge ihrer Geburt benannt.

Als Drei verheiratet werden soll, entschließt sie sich, ihr Dorf zu verlassen und in der Stadt ihr Glück zu versuchen. Scbon bald folgen ihr die Geschwister Fünf und Sechs.

Was direkt zu Beginn auffällt: Die liebevolle Gestaltung des Buches. Nicht nur, dass das Cover durch Blumen geprägt ist, auch auf den jeweiligen Kapitelseiten findet man abgedruckte Blumen und Blüten. Neben den Karten, dem kleinen Festglossar und den Anmerkungen der Autorin zeigt dies, wie viel Mühe man sich hier gegeben hat. So erfährt man auch, dass das Buch auf wahren Geschichten beruht, und dass diese hier zusammengefügt wurden. In ihrem Nachwort erklärt Xinran bspw. den weiteren Werdegang der Mädchen, soweit dieser ihr bekannt ist.

Von der ersten bis zur letzte Seite ein wunderschönes Buch. Die drei Schwestern, ihre Familie und ihre Bekannten sind sehr einfühlsam beschrieben. Es fällt leicht,in jedem von ihnen etwas von sich selbst wiederzuentdecken. Die tatkräftige Drei, die begriffststutzige Fünf, die wissbegierige Sechs… sie alle gehen auf die Erfordernisse der Stadt auf ihre ganz eigene Weise an. Über dieses Leben vergessen sie jedoch auch nie ihren Ursprung, sondern unterstützen auch ihre Familie in dem Dorf. Am Ende war ich richtiggehend enttäuscht, dass das Buch nicht weiterging, so sehr habe ich die Zeit mit den drei Schwestern genossen.

Aber abgesehen von diesen ganzen schönen Dingen zeigt die Autorin Xinran hier auch sehr ansprechend, welche Unterschiede es in China zwischen dem Land und der Stadt gibt. Dinge, die wir hier im Westen bspw. für selbstverständlich halten, sind selbst in der Stadt kaum bekannt. Natürlich hat das auch mit Maos Politik zu tun, aber stellenweise ist es doch erschreckend. Die Mädchen ziehen immer wieder Vergleiche zwischen ihrem Leben in der Stadt und dem, was sie hinter sich gelassen haben, besonders an ihre Mutter denken sie oft.

Einziger Kritikpunkt: Die Stelle kurz vor Ende mit den Erlebnissen des Onkels fand ich etwas überflüssig. Welchen Sinn hatte die? Lieber hätte ich hier noch ein wenig mehr erfahren, genauso wie ich hoffte, dass Dreis Enttäuschung sich wandeln würde. Doch letztlich ist es trotzdem ein sehr gutes Buch geworden. Die anderen Bücher der Autorin werde ich auf jeden Fall auch lesen, nicht nur, weil mich China allgemein interessiert.  (Upate: Habe mir nun auch „Himmelsbegräbins“ ausgeliehen!)

Beor es zum Fazit geht, möchte ich noch einen schönen Satz zitieren, der sich ohne Zögern zum Wiederverwenden eignet:

„Du musst mehr über das Leben erfahren und mehr Bücher lesen. Durch das Lesen werden deiner Intelligenz Flügel wachsen, und sie wird davonschweben.“

So, Fazit: Ein definitiv lesenswertes Buch.

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  1. Pingback: Agnes Desarthe: Mein hungriges Herz « Buecherrad's Blog

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