Delphine de Vigan- Ich hatte vergessen, dass ich verwundbar bin

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Vielen Dank an den Droemer- Knaur Verlag für dieses Rezensionsexemplar!

Mathilde ist unglücklich. An ihrer Arbeitsstelle wird sie in nichts mehr eingebunden, nach einem unbedeutendem Vorfall mit ihrem Chef Jaques wird sie regelrecht terrorisiert. Doch sie kann nicht dagegen aufbegehren, weiß keinen Ausweg. Eine Wahrsagerin sagte ihr jedoch, dass sich am 20. Mai ihr Leben ändern würde. Nun wartet Mathilde auf diesen Tag.

Mit „Ich hatte vergessen, dass ich verwundbar bin“, liegt nun das zweite Buch von Delphine de Vigan vor-diejenige, die auch schon „No und Ich“ geschrieben hat. In ihrem neuen Werk geht es jedoch um etwas vollkommen anderes, de Vigan schafft es, sich von ihrem ersten Buch abzuheben und einen etwas anderen Weg einzuschlagen.

„Das ist das Schlimmste, jeden Tag aufs Neue: der Augenblick des Schreckens. Im Bett liegen und sich daran erinnern, was sie erwartet. (…) Erschöpft, noch bevor es losgeht.“

So fühlt sich Mathilde. Was auch kein Wunder ist, denn ihr Chef mobbt sie nicht nur kontinuierlich, er terrorisiert sie regelrecht. Das ganze Buch über ist eine äußerst depressive Stimmung spürbar, beinahe schon zuviel des Guten. Man bekommt eine detaillierte Einsicht in Mathildes Leben, warum sie so handelt, wie sie handelt- oder auch nicht, was eigentlich dazu führte, dass sie sich so unglücklich fühlt. Genauso hofft man auch die ganze Zeit, dass sich etwas ändert. Man möchte genau wie Mathilde einen Ausweg finden, ihr helfen, dass sie wieder glücklich wird und sich um ihre drei Söhne kümmern kann. Und was hat es mit diesem 20. Mai auf sich? Das ist der Tag, den wir mit ihr zusammen erleben, trotz der ganzen Rückblicke. Ein langer Tag.

Auch für Thibault, den anderen Charakter in diesem Buch, ist dieser Tag lange. Er weist viele Ähnlichkeiten zu Mathilde auf, die de Vigan gekonnt verbindet. Dennoch sind sie sich noch nie begegnet. Was also hat es mit einer Bewandnis für ihn? Wird er Mathildes Leben am 20. Mai verändern? Das Ende des Tages nähert sich, wir begleiten beide durch diese 24 Stunden…

Dieses Buch hebt sich ganz klar von „No und Ich“ ab. Es ist ein kleines Meisterwerk in sich. Auf den ersten Blick wirkt es sinnlos, regelrecht deprimierend. Doch wenn man genauer hinsieht, erkennt man, dass de Vigan definitiv sehr gut schreiben kann. Nicht nur, dass man nicht aufhören kann zu lesen, obwohl nichts passiert, trotzdem wissen will, wie es weitergeht- die sprachlichen Finessen, der Aufbau und die Handlung des Buches sind hochwertige Belletristik.

FAZIT: 4/5

Nichts für Menschen, die Handlung und das Offensichtliche mögen. Aber durchaus geeignet für diejenigen, die auch die Klassiker unserer Literatur gerne lesen- denn dieses Buch könnte eines Tages in ihre Reihen aufgenommen werden.

Autor: Delphine de Vigan

Originaltitel: Les heures souterraines

Verlag: Droemer

Deutsche Erstausgabe; September 2010

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