Stephan Kulle- Vierzig Tage im Kloster des Dalai Lama

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Stephan Kulle verbringt vierzig Tage in Indien, im tibetischen Exil. Dort lernt er verschiedene Leute und Mönche kennen, berichtet von seinen Erfahrungen, seinen Eindrücken.

Um es vorweg zu sagen: Der Titel führt in die Irre. Stephan Kulle verbringt keineswegs vierzig Tage im Kloster des Dalai Lama, genau genommen sind es nur drei, es ist ihm auch nicht begegnet. Dafür jedoch dem Karmapa. Die restliche 37 Tage hat er in zwei anderen Klöstern verbracht. Allerdings nicht so, wie man sich das vorstellt. Erst in seiner letzten Woche hat er wirklich am Alltag der Mönche teilgenommen, ansonsten ist er aufgestanden, wann es ihm passte, hat sich in keiner Weise dem Alltag im Kloster angepasst.

Ein Buch, das mich wirklich aufreget. Ich beschäftige mich in letzter Zeit sehr viel mit dem Buddhismus, habe auch viele Bücher in dieser Hinsicht gelesen. Es ist toll, wenn man sich mit dem Christentum so identifizieren kann, doch sollte man sich ein wenig auf die Begebenheiten in einem fremden Land einlassen. Noch dazu, wenn man derart freundlich aufgenommen wird. Stephan Kulle tut nichts dergleichen. Und wenn, dann schreibt er es nicht auf. In einem Fort jammert er über die Begebenheiten, über sein Umfeld, körperliche Beschwerden wie eine Erkältung oder ähnliche Dinge. Und was er vor allem immer, immer wieder erwähnt, ist seine Herkunft aus der DDR.

Oder sagen wir es anders: Ich bewundere ihn für das, was er hinter sich hat, die Erfahrung mit der Querschnittslähmung. Aber ist das ein Grund, Indien mit der DDR zu vergleichen? Immer wieder hervorzuheben, wie ähnlich sich die beiden „Länder“ sind? Das geht zu weit. Mal davon abgesehen: Was hat er erwartet?

Ab und an gibt es auch faszinierende Inhalte, etwa die Begegnung mit den Mönchen, besonders dem Alten auf der Dachterrasse und dem mit den honigfarbenen Augen. Über den Buddhismus an sich oder einen genauen Ablaufplan eines Klosterlebens wird nicht berichtet- da ist der Autor viel zu sehr auf sich selbst fixiert.

FAZIT: 1/5

Die Idee war gut, aber es hätte ein anderer darüber schreiben sollen. Jemand, der sich ein bißchen mehr auf den Ort und die Menschen dort einlässt. Wer etwas über Erfahrungen in einem fremden Land, verbunden mit Buddhismus, lesen will, ist mit „Tee mit Buddha“ wesentlich besser bedient. Alles in allem eine Zeitverschwendung.

Verlag: Scherz (Fischer Verlag)

Erstausgabe: 2009

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