Wieso kommen manche Bücher in die Bestsellerliste und andere nicht?

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Bei der Lektüre von Henry Millers „Sexus“, dem Auftakt einer Trilogie, muss ich unweigerlich an Charlotte Roches „Feuchtgebiete“ denken. Beide Bücher ähneln sich wirklich sehr, nicht nur vom sexuellen, sondern besonders vom Ekelgrad. Wobei Miller mehr Punkte für seine abwechslungsreichen Bezeichnungen von Sexualorganen bekommt („Pint“).

Doch viel wichtiger ist für mich die Frage: Muss so etwas in einem Buch vorkommen, um als Autor in die Bestsellerliste zu gelangen? Ich gebe zu, „Feuchtgebiete“ habe ich gelesen, weil es anders und auf seine Art neu war. Aus dem gleichen Grund würde ich jedoch niemals „Axolotl Roadkill“ lesen, nicht einmal unter Todesandrohung. Genauso wenig wie „Hummeldumm“. Schon das erste Buch von Tommy Jaud war schlecht, das zweite noch viel schlimmer. Die Verfilmung war am allerschlimmsten. Trotzdem befindet sich sein Buch noch immer auf den Bestsellerlisten. Warum bloß? Was ist daran faszinierend? Bei Werken wie „Verblendung“ oder „Twilight“ kann ich das verstehen, sie weisen zumindest einen wirklich gelungenen Schreibstil auf, ob man nun Handlung/ Charaktere mag oder nicht.

Sicher, Geschmäcker sind verschieden. Trotzdem: Wieso gelangen bestimmte Titel in diesen Listen, die es überhaupt nicht verdient haben, während andere untergehen? Das kommt mir manchmal vor wie bei den Castingshows. Geniale Musiker wie Freddy Mercury oder Meat Loaf kämen gerade so zum vorstellen, aber weil sie nunmal so aussehen, wie sie aussehen, würden sie nicht genommen werden. Eine mögliche Übertragung auf den Buchmarkt ist also folgende: Hat ein Autor einmal etwas wirklich Gutes geschrieben, kommen alle anderen Bücher auch auf die Liste. Die PR- Abteilung von Verlagen und Co. ist dabei natürlich nicht zu unterschätzen. Dabei muss noch nicht einmal das Buch als Ganzes gut sein, es reicht in der Regel schon der Titel oder eine Idee, die aus der Reihe fällt. Nehmen wir das, was wohl alle kennen: „Twilight“ (der englische Titel ist einfach um Längen besser). Googelt(e) man Vampire, so fand man heraus, dass diese fast immer mit Sex assoziert werden. Sie hatten kaum andere Hobbys, als nachts bei Frauen einzusteigen und ihr Blut zu trinken, wobei diese natürlich oftmals auch anderen Aktivitäten nachgingen. Plötzlich jedoch gibt es dieses unscheinbare Mädchen, dass sich in einen Vampir verliebt- und der überhaupt nichts von Sex und Co. wissen will. Das ist anders, auch noch wegen verschiedener anderer Faktoren. Dennoch lässt es sich nicht leugnen. Googelt man heute „Vampir“, findet man nach wikipedia einen Eintrag über einen „Vampir- Club“, der sich „mit der romantischen Seite von Vampiren“ befasst.

Aber reicht eine ungewöhnliche Idee wirklich? Wie oben erwähnt, reicht der Name aus. Auf der Liste 41/2010 vom Spiegel finde ich in den Top 10 für Belletristik 7 Autoren, die einigermaßen bekannt sind. Aber kann das denn sein? Sollten nicht neuen Autoren auch eine Chance gegeben werden?

Wer selber schreibt, kennt das: Auf eine Veröffentlichung braucht man kaum hoffen. Unsere Verlage kaufen viel lieber Bücher aus den Staaten, die sich bereits dort gut verkauft haben und lassen sie hier übersetzen. Kein Wunder, dass es kaum bekannte deutsche Autoren gibt! Kein Wunder, dass man nur bekannte Namen auf der Bestsellerliste findet!

Ich möchte nicht leugnen, dass es viele gute, neue Bücher gibt. Auch von englischsprachigen Autoren, so würde ich sofort jedes Buch von Alice Sebold vorbestellen. Aber zurück zum Ausgangsbeispiel: Den Titel „Feuchtgebiete“ kennen wirklich viele. Aber wie viele kennen „Sexus“? „Im Wendekreis des Krebses“? „Verblendung“, aber nicht „Die Frau in Weiß“? „Twilight“, aber nicht „Stolz und Vorurteil“ (Bücher!)?

Immerhin werden schon sehr viele Bücher verfilmt. Eine Freundin von mir ist so versessen auf Filme, wie ich es mit Büchern bin. Oft fragt sie mich, ob ich diesen oder jenen Film gesehen habe, worauf meine übliche Antwort meistens lautet: Nein, aber ich habe das Buch gelesen!

Fazit: Ich verstehe noch immer nicht, wie es einige Titel in die Top Ten schaffen und andere nicht. Mein Plädoyer: Kauft mehr Unbekanntes! Gebt unbekannten Autoren eine Chance. Lest „Du sollst Bestie sein!“ und nicht „Kennedys Hirn“, nur, weil es von einem bekannten Autor stammt. Nicht die Verlage erstellen diese Liste, sondern wir selbst entscheiden, was aufgenommen wird. Stürzt euch nicht sofort auf den neuen Follett, nur weil es ein Follett ist. Wie schlecht Fließbandbücher werden, haben King, Hohlbein und auch Mankell bewiesen. Traut euch was!

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